Der Kreuzweg

Der Kreuzweg im Dom wurde gestaltet von Thomas Torkler, Aachen

Mit der Renovation des Domes St. Martin 2001 bis 2003 stellte sich auch die Frage, wie ein neuer Kreuzweg im neu gestalteten Kirchenraum aussehen könnte. Die Helligkeit und Klarheit des Raums sollte erhalten bleiben. Der Kreuzweg sollte in Beziehung zum Raum stehen, kein Fremdkörper, aber doch deutlich erkennbar.

Sehr zurückhaltend und bescheiden erscheinen die 14 Alabasterscheiben, die in der Fastenzeit 2011 in die Nord- und Südwand der Seitenschiffe eingelassen wurden. Eine Symmetrie ist nicht erkennbar und auch nicht gewollt. Der Kreuzweg hat sich dem Raum-Rhythmus des Domes untergeordnet und geht damit eine Beziehung zu diesem ein.

Die feinen rubinroten Zeichnungen lenken den Blick unweigerlich auf die einzelnen Stationen. Gut erkennbar und doch sehr reduziert beschränken sich die Darstellungen auf die zentralen Inhalte des Kreuzwegs. Es sind nur Menschen in Umrissen zu erkennen; eingefräste Linien, rubinrot nachgezeichnet. Zeichensprache nennt es Thomas Torkler.

Das Kreuz steht im Mittelpunkt. Mit schwerem Strich beherrscht es jede Station. Mal drückt es Jesus nieder, mal ist es dünner gezeichnet und aus dem Zentrum genommen, mal verschwindet es fast hinter Jesus.

Der Kreuzweg beginnt bei der Darstellung des auferstandenen Christus am Taufstein: Bereits am Beginn des Leidensweges Jesu ist sein Ziel deutlich erkennbar.

Die einzelnen Stationen sind auf Augenhöhe an den Wänden angebracht. Der Leidensweg Jesu ist auch unser Leidensweg. All unsere eigenen Sorgen, Nöte, die großen und die kleinen Kreuze dürfen wir beim Gehen und Beten des Leidensweges Jesu mittragen und ihm übergeben.

(Dompfarrer Msgr. Harald Kiebler. Entnommen dem Heft "Der neue Kreuzweg im Rottenburger Dom St. Martin")